Ja das ist wohl ganz sicher, ein Quäntchen Glück gehört zum KünstlerInnendasein dazu. Das dachte ich Ende letzten Jahres zu haben, als ich gleich zu 3 Kunst-am-Bau-Wettbewerben mehr oder weniger zeitgleich eingeladen wurde. Es erfüllte mich mit Stolz, bei diesen hochdotierten Ausschreibungen aus einer deutschlandweiten KünstlerInnenschar, ausgewählt worden zu sein. Das musste doch ein Wink des Schicksals sein, dass meine künstlerische Berufung diese sei, mit meinen Werken in der Öffentlichkeit und im Kontext mit Architektur zu wirken.
Ich liebe es tatsächlich sehr, diese speziellen Ideen zu entwickeln, besonders für den öffentlichen Raum Kunst zu entwerfen, da man hier immer andere Bedingungen und vor allem große thematische Herausforderungen vorfindet, auf die der jeweilige Entwurf eingehen kann. Vor allem schafft man dort einen gesellschaftsrelevanten künstlerischen Beitrag, der unweigerlich in Interaktion mit der Bevölkerung oder den GebäudenutzerInnen geht. Alle drei Projekte hatten sehr spannende Themen, für die ich schnell entflammen sollte und mit großer Hingabe dafür meine Umsetzungsideen entwickelte.
Und doch: das alles neben meinem Alltag mit meinen drei Kindern, überwiegend in dieser Phase alleinverantwortlich, weil mein Mann physisch fast durchgehend abwesend war, um seiner Arbeit nachzugehen, war das tatsächlich eine sehr herrausfordernde, wenn auch äußerst produktive und intensive Schaffensphase für mich. Ich habe diesmal allerdings umso deutlicher festgestellen müssen, der Kunstmarkt - dieses harte und dichtgelegte Pflaster - nimmt keine Rücksicht auf gesellschaftliche Verbände wie Künstlerinnen mit Kindern. Nein, es muss auch so gehen - oder besser eben doch gleich ganz ohne Kinder.
Kinderlosigkeit ist klar im Vorteil, aber wer fragt überhaupt danach? Nicht einmal die Künstlerinnen, die Mütter selbst. Auch ich habe nicht gefragt, schon gar nicht meine Kinder, wenn die Abgabe raus musste, wurden die Nächte eben zum Tage gemacht. Trotz dieser sichtbaren Kraftanstrengung, sind es sogar meine Kinder, die zwischen richtiger Arbeit, die Geld einbringt zu falscher oder unrichtiger Arbeit unterscheiden. Und das obwohl sie von einer Künstlerin geboren wurden, ja selbst die vollkommensten und besten Kunstwerke sind, die ich je geschaffen habe. Es wird ihnen gesellschaftlich vermittelt, dass Arbeit, um richtige Arbeit zu sein Geld abwerfen muss. Idealismus entsteht wahrscheinlich erst mit den Jahren, oder bei manchen Menschen niemals. Vielleicht wird wenigstens meine Tochter mich einmal verstehen, auch wenn mein Schaffen keine gesellschaftliche Anerkennung finden sollte.
Alle drei Projekte, in die ich wirklich Herzblut investierte, scheiterten an den unglaublichsten Unwägbarkeiten des Lebens. Das ist ein Fakt und dennoch bin ich überzeugt alle drei waren sehr gute Ideen, die ich aus meiner weiblichen Schaffenskraft heraus entwickelte. Ich würde sogar sagen sie waren tiefgründig. Vielleicht war das aber auch genau ihr Verhängnis, denn: ist Tiefgründigkeit im Kontext Kunst-am-Bau überhaupt gewollt? Die Zeit wird es zeigen. Ich suche mir jetzt erst einmal richtige Arbeit, denn Ideen machen die Kinder nicht satt.